Gelungene Premiere: NAH AM WASSER FESTIVAL Coconut Beach MÜNSTER

18. Juli 2018 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein, L'UniCo on Tour

Von wegen in Westfalen wäre nix los. Das Hawerkamp- Gelände in Münster zeigt regelmäßig, wie gut besucht und stimmungsvoll Festivals in Westfalen sein können. Am 14.07. fand auf dem Gelände des Coconut Beach das erste „Nah am Wasser – Festival“ statt. Unsere Festivalreporter begaben sich nach Münster, um dort das neue Festival auf Herz und Nieren zu prüfen und das ein oder andere Interview zu führen.

„Durch den Sand sind die Leute viel entspannter… Es sollte viel mehr Sand auf der Welt geben, dann wäre alles besser!“

Dies sagte mir der Techniker der Band Blassfuchs, die am 14.07. das Nah am Wasser Festival auf dem Coconut Beach am Haverkamp in Münster eröffnete. Und ja… irgendwie hat er recht. Der zum Festivalgelände umfunktionierte Beachclub verleiht dem Festival auch dank der prallen Sonne und der vielen barfuß tanzenden Menschen ein ungemeines Sommerfeeling und absolute Urlaubsstimmung.

Zusammen mit unserem ersten kalten Getränk steht Das Ding ausm Sumpf auf der Bühne. Schnubbi, rote aufgerollte Mütze und eine ehrliche und sympathische deutschsprachige Hip Hop Show lassen die zugegeben noch nicht allzu zahlreich erschienenen Festivalgänger tanzen und bouncen.

RIKAS © Fiona Thiele

Eine kurze Umbaupause und ein Kaltgetränk später stehen RIKAS auf der Bühne. Irgendwo zwischen Surf Sound, Britpop und Beat und mit bemerkenswert gutem vierstimmigem Gesang, lässt das Quartett aus Stuttgart das Publikum zu lässigen Rhythmen tanzen. Dabei wirken sie genauso sau-authentisch und sympathisch wie im Interview, das Liv Korth für L’Unico mit RIKAS geführt hat.

Es folgt: Fortuna Ehrenfeld aus Köln, deren Song „Zuweitwegmädchen“ wir auch in der L’Unico Rotation spielen. Zwei Männer auf der Bühne. Martin Bechler obligatorisch im Schlafanzug und Monsterpuschen und Paul an den Drums. Neben einer crazy-verpeilten Bühnenshow, wirklich wirklich wirklich schönen Pop-Songs und der Flasche Wein, die sich der Sänger und Kopf des Projektes genehmigt, bemerkt man, dass der Platz vor der Bühne nun deutlich voller ist. Mehr Infos zu Fortuna Ehrenfeld gibt’s im L’Unico-Interview von Patrick Hagedorn mit Martin Bechler.

Es ist inzwischen 15:00 Uhr und die Sonne knallt immer noch wie Sau. Zeit was zu Essen, denkt sich Reisegruppe L‘Unico. Essbares finden wir letztendlich beim Stand vom „Krawummel“. Warum ich das schreibe? Weil es dort ein komplett vegetarisches/veganes Angebot gibt, aus dem ich mir den Seitan-Döner aussuche und der einfach super lecker ist.

Der ausverkaufte Coconut Beach am frühen Nachmittag © Fiona Thiele

Isolation Berlin liefern dann also den Soundtrack zu unserem Mittagessen. Mir persönlich ist das alles zu viel Berlin, zu viel Drama und dafür zu wenig Individualität im Auftreten von Isolation Berlin. Aber da ich nie ein großer Fan von Hamburger-Schule Bands war, -den Sound-Stempel kann man Isolation Berlin schon aufdrücken- bleibt das eine subjektive Empfindung. Denn die Band hat definitiv einige Fans auf dem Festivalgelände, die zusammen mit denen sie in der frühnachmittäglichen Sonne feiern und tanzen.

16:10 Uhr. Razz. Alle tanzen. Ich wippe auch mit. Auch wenn der Razz’sche Indie-Rock musikalisch gut gemacht ist und die Band einen gewaltigen Livesound auf die Bühne bringt, fehlt Abwechslung. Die Songs sind sich doch alle sehr ähnlich und wirken irgendwie generisch. Aber auch hier bin ich nur der teilnehmende Beobachter und sehe, die ersten Moshpits und begeisterte Tänzer bei Razz. Muss man bei der Hitze auch erstmal hinkriegen, denke ich mir, wippe weiter mit und singe auf jeden Song die Zeile des einzigen Songs, den ich kenne „Let it in, let it ooooout!“. Und siehe da: es passt immer…

Bevor Maeckes & die Katastrophen spielen schnell noch ein kaltes Getränk zu kaufen, gestaltet sich etwas schwierig, da die Getränkestände völlig überlaufen sind. Die Security macht aber ihrem Namen alle Ehre und verteilt den ganzen Abend vor der Bühne kostenlos unzählige 0,5 Liter – Wasserflaschen.

Dann kommt Deutschrap par Excellence. Rapper Maeckes und seine Band „Die Katastrophen“ entführen die Nah am Wasser – Besucher ins „Mary-Bird-Land“ und in die „Partykirche“. Die Menge singt viele der Texte mit, was Maeckes ein „das ist so perfekt hier…“ entlockt. Dank einem „Drum-Battle“ mit Kinderschlagzeug und Stagediving von Maeckes wird der Auftritt zu einer waschechten Rockshow, wie man sie sich auf einem Festival wünscht.

Olli Schulz © Fiona Thiele

Zeit für den ersten Headliner. Faber aus der Schweiz; aber der Mann braucht eigentlich keine Beschreibung. Man kennt ihn inzwischen. Das Publikum feiert zu den schnellen balkan-esken und träumt zu den ruhigen Songs und bestimmt verliebt sich manch eine*r in die unsagbar tiefe Stimme des 25-jährigen Faber. Was auffällt ist die musikalische Qualität der Band, die Faber um sich geschart hat. Balkan-Sound, Weltmusik und trotzdem purer Pop ist der Mix, den die Gruppe auf die Bühne bringt. Allerdings fühle ich mich schon fast schlecht, wenn ich sage, dass mir der Auftritt eine Spur zu arrogant und Faber mit aufgeknöpftem Hemd und Goldkettchen einfach zu Macho für das Jahr 2018 erscheint.

Inzwischen ist es 20:30 Uhr und Zeit für den mit Spannung erwarteten Headliner des Abends: Olli Schulz… aber wo ist er denn!? Durch technische Probleme verzögert sich der Auftritt des klamaukigen Liedermachers um eine Viertelstunde. Während des Soundchecks weiß Schulz aber auch, wer an den Problemen Schuld ist: „Sorry … aber die Maeckes-Band hat aufs Mischpult geschissen und Faber hat es noch weiter kaputtgemacht. Ich bleibe jetzt aber hier und es geht gleich los.“ Und was will man sagen… Der Mann weiß einfach (nicht), was er tut. Und genau das macht die Shows von Olli Schulz aus. Der in Berlin lebende 44-jährige Hamburger strahlt eine Kombination aus norddeutscher Kaltschnäuzigkeit, authentischem Dilettantismus und Dankbarkeit aus. Vielleicht ein deutscher lustiger Bob Dylan, den man entweder liebt oder hasst. In der Mitte gibt es nicht viel. Aber beim Nah am Wasser-Festival ist man sich einig: Man liebt Olli Schulz, der einen Mix aus neuen und alten Hits spielt und dem man die Dankbarkeit darüber, dass so viele Menschen ihn bejubeln ansieht.

Das Nah am Wasser 2018 – Fazit: Tolle Location, grandiose Acts, mega Stimmung, super Wetter aber leider zu wenig Mülleimer und vielleicht ein Essensstand zu wenig. 5 Sterne, gerne wieder.

Bis zum nächsten Mal? Von uns aus gerne! © Fiona Thiele

Text: Moritz Herrmann

Fotos: Fiona Thiele

Mehr Fotos gibt es auf www.instagram.com/heyitsfiona

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