Erfrischung abseits des Mainstream: Rocken am Brocken Festival in Elend bei Sorge

7. August 2018 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein, L'UniCo on Tour

Sommer 2018, die Festivalsaison samt Majorevents wie Hurricane und Rock am Ring neigt sich so langsam aber sicher dem Ende zu, nur der Harz hat noch ein Ass im Ärmel – Natur, Musik und Freundschaft auf dem Rocken am Brocken.

Seit 2007 lockt das Festival schon Musik- und Naturfreunde in eine der schönsten Gegenden Deutschlands, um seinen ca. 5000 Besuchern (Stand 2018) ein Potpourri aus feinstem Indie, Rock und Alternative zu bieten. Wir von L’UniCo waren dieses Jahr das erste Mal vor Ort und eins lässt sich von vorn herein sagen:

Das war Liebe auf den ersten Blick.

Ein Regenbogen vor der Hauptbühne während „Die Höchste Eisenbahn“ ©Fiona Thiele

Kurz hinter Braunlage liegt die große von Bäumen gesäumte Wiese, die für das Wochenende unser Place to be sein sollte. Gegen zwei Uhr nachmittags erreichten wir am Donnerstag bei strahlendem Sonnenschein und gewohnt hochsommerlichen Temperaturen den Parkplatz und wurden keine zehn Minuten Wartezeit später von überaus freundlichen und motivierten Helfern eingewiesen. Zelt, Schlafsack und Bier geschultert, ließen wir uns auf dem geräumigen und noch nicht ganz gefüllten Campingplatz nieder. Beim Blick auf den Timetable und die verschiedensten Workshops und Aktivitäten kam größte Vorfreude auf: Poetry Slam, Yoga, Fußball, Volleyball, Planschen im Waldbad, Spiele, um seine Zeltnachbarn kennenzulernen und noch viel viel mehr – das Wochenende versprach, fantastisch zu werden.

Der Zauberwald bei Nacht ©Fiona Thiele

Das erste Bier läuft die Kehle hinunter, die Sonne brennt, die Vorfreude kribbelt und schon eröffnet das Rocken am Brocken Festival 2018 seine Pforten. Unter dem großen Holzbogen mit leuchtender Aufschrift hindurch, ging es auf die Lichtung zwischen den verschiedenen Bühnen. Ganz versteckt zwischen hochgewachsenen Tannen, verirrten sich die Techno- und Tanzliebhaber in den „Zauberwald“. Die „Hexenhütte“ bestand aus einer kleinen, beinahe ebenerdigen Holzbühne. Kronleuchter, Gardinen, Lichterketten und etliche Holzkonstruktionen sorgten für den unverwechselbaren Charakter und Charme des Festivals. Der allererste Blick auf das Hauptgelände ließ einen im Moment verweilen und schnell wurde klar, dass das hier etwas wirklich Schönes ist. In der Ferne thronte die große Brockenbühne, links daneben ein waschechtes Zirkuszelt, der „Jägerzirkus“, mehrere Hängematten und ein weiteres Zelt mit Sofas und Sesseln für eine kuschelige Auszeit zwischen der ganzen Musik – überall waren große Baumstämme, die mit ihren ebenso großen Lampenschirmen das gesamte Festival, besonders bei Einbruch der Dunkelheit in ein einziges Wohnzimmer verwandelten und für magische Momente sorgten.

Bukahara ©Fiona Thiele

Zur Eröffnung des Spektakels heizten BLOND ein und brachten die Menge von Sekunde eins mit glitzerndem Indie-Pop in der heißen Abendsonne zum Tanzen. Ein Warm-Up war nicht nötig – jeder hatte Bock, gemeinsam eine gute Zeit zu haben, neue Leute kennenzulernen, Musik mit all ihren Facetten zu genießen und einfach drei Tage durchzufeiern. Die Brockenbühne und der Jägerzirkus wurden immer abwechselnd bespielt, sodass sich keiner der Acts überschnitt und man stets von einer Gaudi zur nächsten wandern konnte: von BLOND ging es also rüber zu Das Paradies, wo man sich von Vibes, wie man sie normalerweise von Bosse und Konsorten kennt, einlullen ließ.
Bukahara erklommen als nächste die Brockenbühne und feuerten ein musikalisches Feruwerk ab. Der einzigartige Sound lässt sich annähernd als ein Mix aus Reggae, Balkan Folk und Jazz beschreiben, aber sollte am besten einmal live erlebt werden.

Hummer Crowdsurfing bei Olli Schulz ©Fiona Thiele

Für den ersten Act des zweiten Tages führte es mich in die lauschige „Hexenhütte“ zu Luke Noa. Der Singer-Songwriter aus Ulm erschuf nur mit Gitarre und Keys eine wohltuende Oase zwischen dem ganzen Trubel. Es wurde gemeinsam in der Sonne gelitten, jede Melodie genossen und geschmunzelt, als die Brockenbahn (oder auch der Harzer Hogwartsexpress) mit lautem Getöse am Gelände vorbeidüste.
Von Pop zu Liedermacher und Publikumsliebling Olli Schulz – für viele war der Hamburger das Highlight des Tages und sorgte schon während des Soundchecks für gute Laune. Mit Gitarre, Redebedarf, Anekdoten und Storys bewaffnet, ließ er seine Gedanken und Songs auf sympathischste Weise heraus und ließ den einen oder anderen nach dem Liebeslied an die Musik („Als Musik noch richtig groß war“) mit einem Tränchen im Auge und noch mehr Liebe im Herzen zurück.

Denjenigen, die sich gegen 1 Uhr noch in den Zirkus verirrt hatten, bot sich noch eine aufgeladene Liveshow der Münchner Blackout Problems. Tatendrang und Enthusiasmus mündeten in zahlreichen Moshpits, Musikern in der Menge, einen auf Zeltmasten kletternden Sänger, crowdsurfende Security und heiseren Kehlen.

Blackout Problems Freitagnacht im Jäger Zirkus ©Fiona Thiele

Mit Samstag brach der letzte Tag an und lud zum letzten Mal zu einem musikalischen Marathon. Pabst machten im „Jägerzirkus“ den Anfang und hatten aus Berlin ordentlichen Modern Rock im Gepäck – laut und stark genug, um einem auch die letzten Energiereserven zu entlocken.
Im Anschluss ging es mindestens genauso weiter – unsere Paderborner KID DAD hatten sowohl Bock als auch ihre neue Single im Gepäck und brachten das Zelt am frühen Nachmittag mit ihrem brachialen und grungigen Sound zum Beben.
Langsam aber sicher sank die Sonne und weiter ging es im Programm mit Musik aus der Schweiz. Eine junge, spielfreudige Band und ein charismatischer Faber, gepaart mit einem tanzwütigen Publikum , ergab die perfekte Mischung für fast schon balkanartige Sounds und erzählende Texte, bei dem sich der ein oder andere an die Stirn fassen würde – entweder man liebt es oder man hasst es. Ich hatte auf alle Fälle ziemlich viel Spaß und der Menge der singenden und tanzenden und konfettiwerfenden Menschen nach zu urteilen, war ich damit nicht mal annähernd alleine.

Natur. Musik. Freundschaft. © Fiona Thiele

Der krönende Abschluss des Festivals war der Band RAZZ vergönnt. Bereits zum sechsten Mal bespielten die Emsländer das Rocken am Brocken und durften nun das große Finale spielen. Wer die Jungs kennt, erwartet soliden Indierock mit tanzenden Fans – und genau diese Erwartungen wurden auch erfüllt, nicht mehr und nicht weniger. Die doch sehr ähnlich klingenden Songs sind trotzdem sehr gute Songs und brachten auch den größten Tanzmuffel zum moshen.

Um ein Fazit meines ersten Rocken am Brocken zu ziehen: Der Slogan „Natur. Musik. Freundschaft“ beschreibt das Spektakel zu 100%, die Stimmung war zu jeder Zeit fantastisch und entspannt, die Liebe zu dem Festival wurde in jeder Ecke deutlich, es gab musikalisch für jeden Topf einen Deckel und die Securities und Helfer waren ein absolutes Träumchen. Ein einziger Kritikpunkt wären die extremen Bässe der Technobühne, die teilweise das Programm der anderen Bühnen etwas störte.

Oder aber um Olli Schulz‘ zu zitieren: „Wenn die Musik nicht so laut wär, dann wär sie auch nur halb so schön“.

Pure Freude bei den Besuchern ©Fiona Thiele

Rocken am Brocken, das war wunderschön – bis nächstes Jahr!

Text: Michelle Henße

Fotos: Fiona Thiele

Mehr Bilder gibt’s hier: https://www.instagram.com/heyitsfiona/

 

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