Albumrezension: Alligatoah – „Schlaftabletten, Rotwein V“

13. September 2018 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein

Sieben Jahre nach seinem Vorgänger erscheint in diesem Herbst der fünfte Teil der Schlaftabletten, Rotwein-Mixtapes des Langener Rappers Lukas Strobel, besser bekannt als Alligatoah. Schafft dieser hiermit den Spagat, sein Erfolgsrezept der letzten Jahre auf die alte Reihe zu übertragen und somit sowohl Fans der ersten Stunde als auch jene der letzten beiden Releases zufriedenzustellen?

Die wichtigste Erkenntnis, die sich während des Hörens von Schlaftabletten, Rotwein V einstellt, gleich vorweg: auch wenn der Titel eine Fortsetzung der Mixtape-Reihe erwarten lässt, knüpft das Album aus musikalischer Sicht nahtlos an die beiden vorhergegangen Studioalben Triebwerke und Musik ist keine Lösung an und erscheint somit eher als eigenständiges Studioalbum (passenderweise bezeichnet Alligatoah dieses selbst auch als solches). Die ließ schon der Sound der vorab releasten Singles erahnen und auch beim Lesen der Tracklist sticht mit Die grüne Regenrinne I bis III der für die Vorgängeralben obligatorische dreigeteilte Song ins Auge. Die Wahl des Albumtitels erschließt sich somit nicht vollständig, dies soll der künstlerischen Qualität der einzelnen Stücke aber keinen Abbruch tun. In gewohnter Manier kombiniert Alligatoah extrem eingängige Hooks, die die Grenzen zum Kitsch im positiven Sinne mehrfach strapazieren, mit sehr eigenen Elementen, wie bspw. seiner oftmals eher schauspielerisch anmutenden Art zu rappen (Füttern verboten).

Thematisch arbeiten sich die Songs – ebenfalls Alligatoah-typisch – durch eine Bandbreite aktueller Themen und persiflieren dabei in gnadenlos übertriebener Art und Weise alle erdenklichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Zustände, seien es die Folgen medialer Berichterstattungen über bestimmte Ereignisse (Terrorangst) oder der sich anstauende Ärger über alltägliche Kleinigkeiten (Hass). Trotz aller Übertreibungen und sprachlicher Ausschmückungen zeugen die Texte von einer sehr feinen Beobachtung menschlicher Charaktereigenschaften, die auch dem Hörer den ein oder anderen Anlass zur Selbstreflexion bieten dürften.

Musikalisch bewegt sich Alligatoah durch verschiedenste Genres von Hip-Hop bis Rock, der stellenweise auch härtere Formen annimmt. Die mit viel Liebe zum Detail von ihm selbst produzierten Instrumentals werden durch kleine Variationen immer wieder aufgelockert und zeigen das vielseitige Talent Lukas Strobels. Sie sind teilweise bewusst einfach gehalten, teilweise aber auch komplex aufgebaut und unterstreichen hierbei immer die Message des jeweiligen Songs.

Trotz der, für sich selbst betrachtet überwiegend wirklich guten und auch musikalisch wie thematisch abwechslungsreichen Stücke, fällt es dem Album aber schwer, als Gesamtwerk die Spannung aufrechtzuerhalten. Alligatoahs Markenzeichen, die oftmals starke Gesellschaftskritik, wirkt an der ein oder anderen Stelle etwas aufgezwungen oder schlichtweg “ausgelutscht“ (So gut wie neu, Beinebrechen. Letzter bietet mit Felix Brummer von Kraftklub übrigens das einzige Feature des gesamten Albums). Darüber hinaus fehlt eine Weiterentwicklung im Vergleich zu den vorhergegangenen Alben, jeder der Songs könnte sich nahtlos in die Tracklist von Musik ist keine Lösung einreihen. Ob dies zwangsläufig schlecht sein muss, sollte natürlich jeder Hörer für sich selbst entscheiden.

Am Ende steht deshalb ein solides Album, dessen Songs alleine betrachtet eine sehr hohe Qualität erreichen, das auf die gesamte Spieldauer aber etwas Spannung vermissen lässt. Alligatoah liefert exakt das ab, was man von ihm erwarten kann, nicht mehr, nicht weniger. Jeder, der diesen Stil mag, wird auch mit Schlaftabletten, Rotwein V seine Freude haben.

 

(Philipp Böhnke)

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