Liebe und Wahnsinn mit Tristan Brusch

24. Oktober 2018 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein

„Es geht um Liebe“, leitet Tristan Brusch sein Konzert in Köln ein. Und diese Liebe erstreckt sich durch den ganzen Club. Zur späteren Stunde gesellt sich dann auch ein wenig liebevoller Krawall dazu. 

Es ist Donnerstag, der 15. Oktober 2018. Tristan Brusch spielt im Kölner Veedel Club, der sich zwischen Luxor, Blue Shell und Stereo Wonderland in bester Gesellschaft befindet. Es ist der Tourauftakt der „Das Paradies“ Tour, die insgesamt durch 12 Städte führt. Tristan Brusch ist in der Pop-Landschaft durch Auftritte mit den Orsons oder Maeckes ein Begriff. Nun ist der Pop-Künstler gemeinsam mit seiner eigenen Band unterwegs.

Als Support wird die Tour von Bayuk begleitet. Bestehend aus Vocals, Gitarren und Drumcomputer, gelangen verträumte Pop Songs in das Gehör. Den Drumcomputer nutzt Bayuk zum ersten Mal auf der Bühne. Die Unsicherheit ist dem Musiker anzusehen, führt aber zu noch mehr Sympathie von Seiten des Publikums. Bayuk singt von Welt- und Herzschmerz, erzählt von einem Song, den er mit 16-Jahren „heartbroken auf der Bettkante in seinem Kinderzimmer“, geschrieben hat. Das halbstündige Set endet mit avantgardistischen, elektronischen Klängen und einer starken Bassline, die das Publikum zum ersten Mal an diesem Abend zum Tanzen bringen.

BAYUK © Fiona Thiele

Um 21 Uhr bahnt sich Tristan Brusch den Weg durch sein Publikum und entert die Bühne des Veedel Clubs. Gekleidet ist er mit einer Jogginghose und einem kitschigen Blumenhemd. Niemanden würde dieses Outfit besser stehen, als ihm. Seine theatralische Mimik unterstreicht seine extravakante Attitüde zusätzlich. Der Mikrofonständer ist mit bunten Blumenranken dekoriert und spiegelt das Thema des Paradieses wider. Gemeinsam mit seiner Band, bestehend aus Keys und Synthies, Schlagzeug und den Vocals von Charlotte Brandi, startet Tristans Brusch, selbst mit Gitarre und seinen Vocals bewaffnet, das Konzert mit dem Song „Zuckerwatte“, der sich ab dem ersten Ton, wie eine musikalische Umarmung anfühlt. Die Liebe, Energie und Leidenschaft von Tristan Brusch wird ab der ersten Minute auf das Publikum übertragen. Der Club ist sehr gut gefüllt und setzt sich hauptsächlich aus Leuten im Alter ab 20 Jahren zusammen.

Das neue Album des Künstlers wurde im Juni 2018 veröffentlicht. In Köln verrät Tristan, dass er vier Jahre daran gearbeitet hat, sich diese aber wie sein ganzes Leben anfühle. Die große Spielfreude, im Club ist damit selbsterklärend. Die Harmonie auf der Bühne stimmt. Auch wenn vom Schlagzeuger mal der Beginn eines Liedes vergessen wird, wird dies mit Humor genommen. Schließlich ist Tourstart. Da ist man vielleicht auch ein wenig aufgeregter.

Tristan Brusch © Fiona Thiele

Überwiegend werden Songs vom neuen Album gespielt. Doch auch die Hits der im Jahr 2015 erschienenen „Fisch“-EP werden nicht ausgelassen. Up-Tempo Nummern wechseln sich mit emotionalen Balladen ab. Es geht um Liebe, Sex, das Patriarchat und den Tod. Gepaart werden die Klänge mit New Wave, Disco und Chanson Sounds. Tristan Brusch ist ein guter Geschichten Erzähler. Alle Songs werden gleichermaßen vom Publikum wertgeschätzt und mitgesungen. Viele haben dabei die Augen geschlossen und genießen die Musik sichtlich.

Zum Ende des Konzertes begibt sich Brusch bei der Hymne „Trümmer“ wie ein Prediger in seine Pop-Gemeinde und begegnet seinen Jüngern Angesicht zu Angesicht. Dabei entstehen energiegeladene Anschrei-Battles, die den Wahnsinn einläuten und ein Hauch Anarchie mitbringen. Mikrofonständer und Biere kippen um. Gitarren werden weggetreten. Mic Drops dürfen natürlich auch nicht fehlen. Es weht eine „Don’t give a fuck“- Attitüde durch den Veedel Club, ganz unter dem Motto „Kunst muss wehtun“.

Tristan Brusch und Charlotte Brandi © Fiona Thiele

Zum Finale stehen Charlotte Brandi, Bayuk und Tristan Brusch noch einmal gemeinsam auf der Bühne. Zu dritt verabschieden sie sich in Köln mit dem Song „Bleib doch einfach hier“.

Insgesamt versprühte das Konzert trotz (oder gerade wegen?) den liebevoll arrangierten Pop-Songs, mehr Punkrock, als manch eine Band, die von sich behauptet Punkrock zu sein. Der Zeile „Ich will nicht unterhalten, ich will euch berühren“, in dem Song „Tier“ ist nur zuzustimmen. Die Mischung aus Liebe und Wahnsinn hat Köln berührt und ist allen bei weiteren Konzertterminen oder bei Festivals ans Herz zu legen.

 

Text: Tina Bergs
Fotos: Fiona Thiele (@heyitsfiona)

 

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