The real Kelvyn Colt im Festsaal Kreuzberg

7. April 2019 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein

Manchmal geht L’UniCo auch ein bisschen weiter weg von Paderborn on Tour: Kathi hat es nach Berlin verschlagen, dem Paradies für Konzerte schlechthin! So kam es, dass sie am Montag, den 25.03.19, das Konzert von Kelvyn Colt im Festsaal Kreuzberg besuchte. Der Newcomer schwimmt nicht mit dem Strom, sondern ist derzeit einer der wenigen deutschen Rapper, der auf Englisch rappt und singt. Bilingual aufgewachsen schwebt er zwischen der nigerianischen und deutschen Kultur, zog nach dem Schulabschluss alleine nach London und hält sich oft in den USA auf. Ein Mann von Welt also, der uns auf seiner Mind Of Colt-Tour einen intensiven Einblick in seine Gedanken erlaubte und den Festsaal in eine große Party verwandelte.

Support: Stam Goody

Um als Vor-Act die Tour zu begleiten nahm Stam Goody zusammen mit seinem Tour-DJ Payton Long den weiten Weg über den großen Teich auf sich. Er entpuppte sich als äußerst sympathisch und publikumsnah, fragte einfach ein paar Zuhörer nach ihrem Namen und stellte sie dem Publikum vor, erzählte aus von Armut und Chancenlosigkeit geprägten Zeiten seines Lebens und sorgte gemeinsam mit seinem DJ für die richtige Stimmung um für Kelvyn Colt bereit zu sein. Im Anschluss an seine gelungene Performance wurde ein wenig Wasser an die ersten Reihen des schon recht aufgeheizten Festsaals verteilt, während gleichzeitig Kelvyn-Colt-Fangesänge laut wurden.

Kelvyn Colt

Die Vorfreude schien ins Unermessliche zu steigen. Und dann war es soweit! Ganz in weiß erschien er auf der Bühne. Ja, man kann hier wirklich von einer Erscheinung sprechen, so viel Charisma und Ausstrahlung besitzt der 25-Jährige. Er riss von Anfang an ab, das Publikum war textsicher und die Stimmung bombe. Die Moshpits waren heftig, aber friedlich und happy, so wie Kelvyn es sich wünschte. Dieser sprach sehr viel zu seinen Zuhörern und switchte dabei zwischen Englisch und Deutsch. Er redete davon, dass wir nie wirklich alleine sind, an unsere Lebensträume glauben sollen („wer dir sagt, ‚das geht nicht‘, sagt damit nur aus, dass er sich selbst nicht vorstellen kann, das zu schaffen. Das heißt noch lange nicht, dass du es nicht schaffst“) und über real people. Auch Kelvyn wirkte ziemlich real. Man kaufte ihm jedes Wort ab. Hier und da ein bisschen viel Pathos aber er gab jedem einzelnen ein gutes Gefühl mit auf den Weg. Darüber hinaus waren alle Songs komplett live gerappt und gesungen, was in der heutigen Zeit durchaus hervorzuheben ist.

Kelvyn Colt

Der Abend war voller überraschender Gastauftritte: Schon ziemlich zu Beginn hüpften Nura und Nikeata Thopmsen bei Bury me alive mit auf die Bühne und tanzten was das Zeug hielt! Später performte Colt mit Marvin Game deren gemeinsamen Track Legend. Darauffolgend gab Ahzumjot seinen eigenen Song Schäm Dich – 0219 zum Besten. Colt dankte seinen Kollegen und darüber hinaus dem verstorbenen Rapper und treuen Wegbegleiter Samson Wieland. Doch noch weitere Menschen sollten den Weg auf die Bühne finden: Für eine zweite Runde Bury me alive durften zwei Mädchen aus dem Publikum an die Mikros, die anschließend vom Publikum via Stagediving zurück an ihre Plätze befördert wurden. Nachdem Colt seine Performance beendete, tat er es ihnen gleich und ließ sich zu Ain’t nobody (Chaka Khan) von der Menge tragen. Weit kam er dabei zwar nicht, doch kurzerhand feierte er einfach in Mitten der Fans weiter und auch sein DJ SugaBoy machte mit. Zurück auf der Bühne verabschiedeten sie sich zu Sicko Mode (Travis Scott) endgültig. Man hatte das Gefühl, niemand der Beteiligten wollte den Abend wirklich enden lassen.


Kelvyn Colt

Bei der Jackenausgabe an der Garderobe tauschten die Konzertbesucher begeistert ihre Eindrücke aus. Alle waren bester Laune nach so viel Energie und Emotion, der starken Performance und den tollen Gäste. Wer bezweifelt, dass englischsprachiger Rap in Deutschland momentan funktionieren kann, sollte unbedingt ein Kelvyn Colt Konzert besuchen und sich vom Gegenteil überzeugen!

Text & Fotos: Katharina Holste

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