Summery Mind – Color: Im Doppelcheck – Albumreview und Pre-Releasekonzert

17. Mai 2019 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein, L'UniCo on Tour, Musikredaktion, Schallinspektion

Es ist wieder soweit. Zeit für einen neuen Doppelcheck. Heute im Gepäck: Die aus Bad Salzuflen stammende Alternative Synth Rock-Band Summery Mind mit ihrem neuen Album „Color“. Etwas ungewöhnlich ist sicher, dass vor der eigentlichen Veröffentlichung bereits ein Pre-Releasekonzert für die besonders Ungeduldigen unter uns stattfand. Heute erblickt „Color“ auch ganz offiziell das Licht der Welt. Für L’UniCo berichten Zara und Katharina.

„Wir wollen hier zusammen feiern.“ – Mit diesen Worten begrüßten am 3. Mai Summery Mind das Publikum im Bielefelder Movie zu ihrer Album-Release-Show. Damit wurde nicht zu viel versprochen, denn genau das ist auch eingetreten.

„COLOR“ heißt das mittlerweile schon dritte Album der fünf Musiker, welches offiziell aber erst am 17. Mai veröffentlicht wird. Für die Besucher des Release-Konzertes jedoch hieß es schon zwei Wochen vorher Probehören.
Um 19:00 Uhr war Einlass – eine Stunde vor Beginn. Es blieb also genug Zeit, sich an der Bar etwas zu trinken zu holen und sich noch locker zu unterhalten. Dadurch war die gesamte Atmosphäre im Movie sehr entspannt und wirkte ziemlich familiär.

Mit einer leichten Verspätung von 20 Minuten kamen Summery Mind dann endlich auf die Bühne und starteten mit „Blue“, der ersten Single des neuen Albums. Wer sich nun fragt, was mit einer Vorband war – Fehlanzeige. Leider gab es an diesem Abend keine Supportband, was ich persönlich ziemlich schade fand. Dafür stand dann der Abend ganz im Zeichen von Summery Mind, die von Anfang an für super gute Stimmung sorgten. Immer wieder sprach Sängerin Larissa Rieke die Fans an, bedankte sich für den Support und forderte alle auf, mitzutanzen.

Sängerin Larissa Rieke ©Fiona Thiele

Am Tag des Release-Konzertes wurde übrigens auch die dritte Single „Casual & Young“ veröffentlicht. Diese spielten sie dann auch als viertes. Generell kann ich sagen, dass die Setlist gut zusammengestellt war. Nach fünf powervollen Songs am Anfang folgte eine ruhigere Nummer, wo nur Gesang und E-Gitarre zu hören war. Danach sollten noch acht weitere (inklusive Zugabe) folgen, die sich vom Energiegehalt immer weiter steigerten. Zwar wurde es dadurch auch immer heißer im Movie, aber das hielt weder die Band noch die Fans davon ab, weiter Gas zu geben. Beim achten Song „Dead End Road“ bildeten einige Fans sogar den ersten kleinen Moshpit und hörten ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr auf zu tanzen. Das komplette Konzert über wurde die Band von ihren Fans supportet. Es wurde bei fast jedem Song mitgeklatscht und viel mitgesungen. Auch bei der Band merkte man, wie viel Bock sie hatten, auf der Bühne zu stehen. Sängerin Larissa lächelte viel, aber auch Bassist Christopher Müller stach für mich sehr heraus, da er ebenfalls viel mit dem Publikum interagierte und es in die Show mit einbezog.

Sängerin Larissa Rieke erzählte zwischen den Songs auch ein bisschen über die Entstehung des Albums. Bei „COLOR“ haben sie neue Sachen ausprobiert. Sowohl musikalisch als auch was den Aufbau des Albums angeht, haben sie sich diesmal mehr getraut und kleine Experimente gewagt. So findet man im Booklet beispielsweise Anekdoten der Band und auch kleine Geheimnisse der einzelnen Bandmitglieder. Nach elf Songs war dann die offizielle Setlist durch und es folgten noch drei Zugaben. Da wurde es noch kurz emotional, als sich die Band bei allen bedankte, die bei der Entstehung des Albums mitgeholfen haben.


Bassist Christopher Müller ©FionaThiele

Nach etwas mehr als einer Stunde war das Konzert dann vorbei und die Band ging zum Merch-Stand im Foyer, wo bereits eine sehr lange Schlange auf sie wartete. Noch bis kurz vor 23 Uhr wurde dort mit den Fans gequatscht, Fotos gemacht und natürlich einige CDs verkauft. Alles sehr harmonisch und herzlich, einfach süß zu beobachten.

Ich muss sagen, ich war positiv überrascht vom kompletten Abend. Eine super sympathische Band, wirklich gute Musik und ein einfach schöner Abend mit netten Menschen. Man hat gemerkt, wie glücklich sie waren, die neuen Songs endlich live zu spielen. Gleichzeitig aber hat man die Erleichterung darüber gespürt, dass am Ende doch alles so gut gelaufen ist und die Fans mehr als zufrieden und begeistert waren. Ich persönlich kann es nicht abwarten, das komplette Album ab dem 17. Mai nochmal zu hören und kann jedem empfehlen, genau das gleiche zu tun. Live haben sie mich auf jeden Fall schon ziemlich stark überzeugt.

Zeig Farbe! Albumreview zu „Color“

Summery Mind bringt mit „Color“ das langerwartete Nachfolgeralbum von „Belonging“ heraus. Ein Album, in dem die Musiker gegen das Schachbrett-Denken in der heutigen Gesellschaft protestieren wollen. Ein Album, das sich dagegen wehrt, dass die Welt ihre Farben und Klänge verliert. Identität und Selbstverwirklichung stehen hierbei in den 13 Titeln als Botschaft im Vordergrund.

Die fünf Musiker beweisen mit „Color“, dass auch ihre Musik nicht schwarz-weiß gestrickt sein muss. Neben hartem Rock-Sound mit Metal-Einflüssen beweist nicht nur Larissa (Vocals), dass sie auch anders kann. Hohe, melodiöse Toneinlagen dürfen eben auch mal sein, obwohl man vorher durch kraftvolle „schreiende“ Elemente bereits gecatcht wurde.

„COLOR“ ab 17. Mai überall zu hören

Frei nach dem Motto “For this, we dare to show true color“ (Blue), haben die fünf auch ihr Album aufgestellt. Nach dem sehr – vergleichsweise – kurzen und zarten Eingangssong „Lights“ mit Piano Solo, Wind-Atmosphäre und Zitaten, die einen Vorgeschmack auf den nächsten Song machen sollen, geht es weiter mit der bereits erschienen Single „Blue“, die genau wie die anderen klang starken Titel, sofort ins Ohr geht. Neben kraftvoll, dichten Background-Einlagen, bekommt man das Gefühl als renne man vor der Welt davon und auf die eigene Zukunft zu. Aufsteigende Melodien, mitreißende Gitarren-Läufe und Bass-Breaks bieten hier unter anderem eine abwechslungsreiche Klang-Palette.

 „Casual And Young“ und „River“ wirken dagegen beinahe sanftmütig in ihren Intros bis diese von eingängigen Rock-Elementen – gestützt auf einen Text, der weiterhin zum Nachdenken anregt – abgelöst werden. Vor allem der 6/8 Rhythmus in den Drums lädt zum Mittanzen und Hinhören ein, sodass auch der Text seine Wirkung nicht verfehlt. „Cause I’m not that casual, not so blissfully unaware” (Casual and Young) – das denken wir doch alle von uns, oder? Ich bemerke beim Lauschen immer wieder aufs Neue, dass ich nicht nur von den instrumentellen Interpretationen mitgerissen werde, sondern dass genau diese Lyric-Ausschnitte im Gedächtnis hängen bleiben. Besonders schön finde ich den Rahmen, den die Musiker mit ihrer Titelaufstellung bieten. Mit „Lights“ am Anfang wird man auf den Ohrwurm „Blue“ vorbereitet, der wiederum die nächsten Songs ankündigt, die ihre eigenen Aufrufe und Botschaften thematisieren. „River“ markiert den Ruhepol in der Mitte des Albums, eine Ode an die Sehnsucht und das Fernweh, wobei „Dark“ – wie eine kleine Reprise von „Light“ – das Album mit einem Gefühl, wieder angekommen zu sein, abschließt. 

Für mich ist Color ein sehr eingängiges Album, das vor allem zum Nachdenken anregt, aber auch wenn man einfach mal keine Lust darauf, hinter allem eine Botschaft und einen Aufwecker zu sehen, kann man sich von der Musik mitreißen lassen, frei nach dem Motto: Fenster runterkubeln, Radio aufdrehen und einfach mal von der Musik eingenommen werden. Durchhören lohnt sich!!!

Konzertbericht: Zara Akopyan
Albumrezension: Katharina Meding
Fotos:
Fiona Thiele