Im Doppelcheck – EP und Release Konzert: Zara Akopyan – Planting Plans

12. Februar 2020 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein

Am 31. Januar 2020 war es endlich soweit. Zara Akopyan, die Paderborner Singer-Songwriterin mit dem, wie sie selbst sagt, unaussprechlich aussehenden Nachnamen, hat ihre erste EP „Planting Plans“ veröffentlicht. Die Platte lag seit den Aufnahmen Anfang 2019 in ihrer Heimatstadt Hamburg unangetastet auf ihrer Festplatte – zum Glück hat sie sich Ende letzten Jahres doch dazu entschieden, diese fünf Songs zu veröffentlichen.

© Fiona Thiele

Ohne überhaupt einen Ton zu hören, überzeugt die EP allein schon durch ihr sehr liebevoll gestaltetes Cover, das eine Freundin von Zara für sie entworfen hat. „They don’t know me“ – Mit diesen Worten wird die EP eröffnet, aber nach den fünf Songs, die jeweils sehr persönliche Geschichten erzählen, hat man das Gefühl, Zara doch schon ein bisschen länger zu kennen. Priorities heißt der erste Track und die treibende Gitarre bzw. der sie später unterstützende Bass geht direkt ins Ohr. Zara ist zwar erst 21 Jahre jung, aber einen Song darüber zu schreiben, wen man in seinem Leben haben möchte und sich bewusst zu sein wo seine eigenen Prioritäten liegen, zeugt schon von einiger Reife.

Etwas ruhiger geht es mit der Powerballade „All To You“ weiter, auf dem sie besingt wie es ist, einen Mensch zu früh zu verlieren und die Trauer thematisiert, die man spürt mit diesem Menschen nichts mehr teilen zu können. So reif wie die beiden Songs davor, könnte man bei „Reality“ auch nicht glauben, dass Zara noch nicht einmal ein viertel Jahrhundert alt ist. Einfach sein Ding durchziehen und nicht auf die ganzen andern Stimmen hören, die einen vielleicht zurückhalten könnten ist das Credo des dritten Songs auf der EP –„ I’ve got my plan / That’s brighter than the things you’ve known!“

Zara Akopyan © Fiona Thiele

Der vierte Song Step Back macht seinem Namen alle Ehre und geht wortwörtlich erstmal einen Schritt zurück. Waren die drei Songs davor vom rhythmischen Strumming der Gitarre bestimmt, wird hier zum ersten Mal gezupft. Das Thema des Songs wird jeder von uns schon einmal erlebt haben. Es geht um Leistungsdruck, um immer höhere Erwartungen an uns und das Gefühl nie zufrieden zu sein. Ich finde aber, dass Zara mit diesen Song sowohl textlich als auch musikalisch sehr stolz auf sich sein kann. Besonders gefällt hier die E-Gitarre, die erst subtil im Hintergrund liegende Einzeltöne liefert und dann im Refrain in melodiöses Picking überwechselt.

Das Ende der EP bleibt ruhig. Nur von ihrer Gitarre und einem Cello begleitet singt Zara in Now I Know mit viel Gefühl und einer sehr warmen und intimen Stimme von dem Schritt, sein gewohntes Zuhause zu verlassen und zum ersten Mal auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn da direkt so eine EP bei raus kommt, ist ihr das definitiv gut gelungen!

Musikalisch hält sich die EP eher an eine typische Bandbesetzung – Gesang, Akustik- und E-Gitarre, Bass und Drums. Mehr braucht es auch wirklich nicht. An keiner Stelle hat man das Gefühl, dass etwas überladen sei, im Gegenteil. Gezielte Elemente wie zum Beispiel die Backing Vocals im Refrain von „Priorities“, die fast schon wie ein Chor wirken, die erwähnte E-Gitarre aus „Step Back“, oder „Now I Know“s Cello setzen melodische Akzente zu den eher rhythmisch orientierten Arrangements und zeigen Zaras Liebe zu Details. „Planting Plans“ ist für mich eine sehr runde und abwechslungsreiche Platte, bei der man auch nach mehrmaligen hören immer wieder neue Lieblingsmomente entdecken kann.

Der 31.01. war nicht nur Tag der Release der EP, sondern auch das Datum des Release-Konzerts in Paderborn, Zaras Wahlheimat. Selten habe ich das Wohlsein, die Location des Abends, bei einem Barkonzert so voll erlebt.

Desmond Lewis © Fiona Thiele

Punkt 20:00 sehe ich wie ein langhaariger, sehr sympathisch aussehender junger Mann zu Zara kommt und sie fragt, ob er jetzt anfangen soll. Keine Minute später steht Desmond Lewis auf der Bühne und klärt auf, dass er heute für Zara, die er 2016 bei ihrem ersten Singer-Songwriter Slam in Hamburg kennengelernt hat, als Voract auftritt.

Ohne Setlist, aber dafür mit umso mehr Gefühl hat es keine ganze Strophe gebraucht, um das Publikum sofort in seinen Bann zu ziehen. Zara hat nicht nur ein Gespür für gute Songs, sondern auch für die richtigen Leute um sie herum, denn Desmond hat sie perfekt ergänzt. Zupft er am Anfang des Abends noch sanft die Saiten, kommt Zara nach ca. 45 Minuten auf die Bühne und strummt mit „Priorities“ richtig los – übrigens auch der erste Song der EP.

Über elf Songs plus Zugabe hinweg hat Zara es geschafft das Konzert wie eine Reise durch ihr bisheriges Leben wirken zu lassen, und dem Publikum, wie auf ihrer EP auch, das Gefühl gegeben, sie schon ewig zu kennen. Neben den fünf Tracks der EP, wurden auch sowohl ältere Nummern, als auch brandneue gespielt, die erst zwei Wochen vor dem Auftritt fertiggestellt wurden. Die Atmosphäre war durch die sehr persönlichen Songs und Moderationen, in denen Zara Einblicke zu den Hintergründen ihrer Geschichten geben hat, so intim und fesselnd, dass kaum einer überhaupt das Bedürfnis hatte, sich während Zara gesungen oder gesprochen hat, ein paar Drinks an der Bar zu holen.

Gegen 22:00 war das Konzert dann leider schon viel zu früh vorbei, aber die Ohrwürmer, die ich in den zwei Stunden aufgeschnappt habe, haben mich noch die ganze nächste Woche begleitet.

Text: Joshua Wick
Fotos: Fiona Thiele

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