Katie Gregson-MacLeod live im Jaki, Köln

8. März 2026 | L'UniCo Musikredaktion | Keine Kommentare | Allgemein, L'UniCo on Tour (Inaktiv)

Folk-Pop aus Schottland – Katie Gregson-MacLeod spielt emotionales Konzert in Köln.

Als im Jaki langsam das Licht dunkler wurde und die Gespräche im Raum verstummten, lag eine fast greifbare Vorfreude in der Luft. Nachdem das Konzert wegen Krankheit einmal verschoben werden musste, war die Freude umso größer, dass Katie Gregson-MacLeod am 1. Februar endlich im Jaki auf der Bühne stand. Die kleine, intime Location, in der nur wenige hundert Besucher:innen Platz finden, bot dafür den perfekten Rahmen.

Den Abend eröffnete Hector Shaw, ein Singer/Songwriter aus Glasgow und langjähriger Freund von Katie. Mit klarer Stimme und außergewöhnlichem Fingerpicking auf der Gitarre schuf er von Beginn an eine ruhige, gelassene Atmosphäre. Er schaffte es mühelos, eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, besonders mit der Frage „Is anyone in here gay?“, woraufhin er erzählte, wie sich seine queere Identität auf sein Songwriting auswirkt. Das Publikum lachte und es gab einige positive, laute Rückmeldungen, die den Zuschauer:innen nicht nur Visibilität gaben, sondern auch Sicherheit aufbauten.

Nach einer kurzen Pause betrat Katie die Bühne, befestigte ihr schwarz-weißes Signature Tuch am Mikrofonständer und setzte sich ans Klavier. Sie eröffnete ihr Set mit „I’m Worried It’ll Always Be You“. Direkt danach folgte „White Lies“, und sie sang die Zeilen „Lines are growing thin, I’m no longer sleeping in the shirt you met me in“. Daraufhin wurde es so still, dass man beinahe das Atmen im Raum hören konnte.

Mit „Mosh Pit“ spielte sie anschließend die erste Single ihrer aktuellen EP „Love Me Too Well, I’ll Retire Early“. Lachend nahm sie Bezug auf den Titel und stellte klar, dass sie sich noch lange nicht zur Ruhe setzen wolle, sondern weiterhin Musik machen und Auftritte planen werde. Sie erzählte, dass sie das Songschreiben für diese EP neu lernen musste, da sich ihr Blick auf Liebe und Songwriting durch das Leben in einer glücklichen Beziehung verändert habe. Während frühere Songs oft eine Spur Traurigkeit trugen, widmen sich diese fünf Stücke den kleinen Dingen, die für sie Liebe ausmachen. So entstand auch „Chess“, inspiriert von einem Pub, in dem sie mit ihrem Partner regelmäßig Schach spielte und das Schöne im Alltäglichen entdeckte.

Für eine Überraschung sorgte anschließend ein Cover von „Diamonds And Rust“ von Joan Baez. Der Song verbinde, wie Katie erklärte, zwei Dinge, die sie liebe: „The seventies and spite.“. Danach folgte der bislang unveröffentlichte Song „I Don’t Think of Kissing You That Often“, der den Raum erneut in eine gespannte Ruhe tauchte.

Einer der intensivsten Momente des Abends kam aber ohne Ankündigung. Nach den ersten Klavierakkorden war sofort klar, welcher Song folgen würde. „Complex“ zählt zu ihren emotionalsten und zugleich erfolgreichsten Stücken. Zeilen wie „I need him like water, he thinks that I’m alright“ bringen das Thema emotionaler Abhängigkeit und unerwiderter Liebe auf den Punkt. In einigen Gesichtern liefen Tränen über die Wangen, andere sangen leise mit, doch alle waren gebannt. Auffällig war dabei Katies Präsenz, da sie immer wieder den Blickkontakt mit den Zuschauer:innen suchte und jede einzelne Person im Raum wahrnehmen wollte.

Mit „Teenage Love“, einer weiteren erfolgreichen Single, nahm die Lautstärke im Publikum wieder zu. Viele sangen besonders bei der Bridge mit, die sie Jahre zuvor bereits auf TikTok geteilt hatte und damals sehr viral gegangen ist. Beinahe beiläufig erzählte sie, dass der Song eigentlich von drei verschiedenen Personen handle, und sie in der darin vorkommenden Bar fast Hausverbot bekommen hätte. Solche Erzählungen gaben Einblicke in ihr Leben, sowohl als Singer/Songwriterin als auch als ganz normaler Mensch.

Ein besonders schöner und spontaner Moment entstand, als sie fragte, ob sich jemand einen Song wünschen wolle. Nach mehreren Zurufen rief schließlich jemand: „Would you be so kind to play TV-show?“ Katie lächelte, stellte die Gitarre zur Seite, setzte sich ans Klavier und spielte den Song. Damit zeigte sie, dass ihre Fähigkeiten weit über eine lange im Voraus geplante Setlist hinausgehen, und auch Spontanität einen festen Platz hat.

Zum Abschluss spielte sie den Titelsong der EP „Love Me Too Well, I’ll Retire Early“ und schuf damit einen gefühlvollen Ausklang. Bevor sie die Bühne verließ, kündigte sie an, dass ihr Debütalbum im kommenden Jahr erscheinen werde. Ein Name stehe allerdings noch nicht fest. Als sie sich verabschiedete, fragte jemand aus dem Publikum, ob sie gleich noch für Fotos und Autogramme nach draußen komme. Ihre Antwort lautete: „Yes, but first I need to go to the toilet. I forgot to piss before“. Mit genau solchen Momenten überwand sie immer wieder die Grenze zwischen Performance und Authentizität, zwischen Melancholie und Humor. Es war ein Abend, der vielen lange in Erinnerung bleiben dürfte, weil Katie Gregson-MacLeod die Grenze zwischen Künstlerin und Publikum mit bemerkenswerter Leichtigkeit auflöste, indem sie einfach sie selbst war.

Text: Lea Nöhmke
Fotos: Michelle E. Maurer

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